„Das ist aber ganz schön teuer“- Preise im professionellen Hundetraining

Warum eine Trainingsstunde beim Profi kostet, was sie kostet

Stell dir vor, du gehst zum Friseur und sagst dort:

„Deine Kunden haben echt tolle Frisuren. Du hast in deiner Branche einen guten Ruf und wurdest auch mir empfohlen. Daher hätte ich eine Bitte: Kannst du mir die Haare machen und danach noch ein bisschen erklären, wie das genau geht, damit ich es nächstes Mal selber machen kann? Nur: Ich würde gerne erstmal schauen, ob mir das Ergebnis gefällt und habe leider auch kein Budget für eine Bezahlung. Ich habe aber viele Follower auf Instagram, denen würde ich die neue Frisur zeigen und dich verlinken. Eine Win-Win-Situation, oder?“

Wahrscheinlich wäre die Antwort: „Ich arbeite nicht gratis, ich lebe von meiner Arbeit“. Ich bin mir aber fast sicher, dass solche Gespräche beim Friseur nicht stattfinden. Was ziemlich absurd klingt, ist für uns Hundedienstleister oftmals erschreckender Alltag. Menschen wollen „einfach mal vorbeikommen“, kostenlos am Telefon beraten werden, die erste Stunde gratis, bei Angeboten „einfach mal“ zuschauen, hospitieren, Praktika machen, usw. Es wird eine Kleinigkeit gebucht mit dem Anspruch, dass im Anschluss alle Fragen beantwortet und alle Schwierigkeiten gelöst sein werden. In Gruppenstunden schauen wir in enttäuschte Gesichter, wenn der Rahmen für individuelle Schwierigkeiten nicht passt, bzw. die Zeit für alle Teams und ein Stundenthema vorgesehen ist.

Regelmäßig erhalten wir Anfragen, ob nicht genommene Stunden ersetzt oder erstattet werden können. Wir stehen bis auf wenige Ausnahmen im Jahr zuverlässig und pünktlich fast täglich bei jedem Wetter und in fast jedem Zustand für unsere Teams bereit. Wir arbeiten in Einzelstunden oder Kleingruppen und vergeben feste Termine und Plätze, damit unsere Teams bestmöglich betreut werden. Wenn jemand in Urlaub fährt, Familienfeiern oder irgendetwas anderes vor hat, dann wünschen wir viel Freude dabei. Unsere Kosten müssen wir aber dennoch decken, sonst gibt es uns bald nicht mehr.

Obwohl unsere Preise kein Geheimnis und branchenüblich sind, werden wir häufig am Telefon oder persönlich gefragt, ob es nicht günstiger ginge, das könne sich ja niemand leisten. Von den Einnahmen bezahlen wir u.a.

  • Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge
  • Urlaubs- und Krankheitstage
  • Steuern
  • Steuerberaterin, Rechtsanwalt, Supervision, Lektorin, Fotografin
  • Aus- und Weiterbildung, Kurskonzepte
  • Mitarbeiterinnen
  • Trainingsgelände
  • Buchungssystem, Website, Handy, Internet, Strom
  • Auto, Sprit, Werkstatt, usw.
  • Versicherungen
  • Equipment
  • Werbemittel, Berufskleidung, die ständig gewaschen und ersetzt werden muss, usw.

All das entfällt natürlich, wenn jemand „hobbymäßig“ mit Hunden arbeitet. Nur sollten wir mit so jemandem nicht verglichen werden.

Mit jeder Stunde Hundetraining tauschen wir Lebenszeit, Wissen und Haltung gegen Bezahlung, arbeiten abends und am Wochenende, merken uns hunderte Namen und Eigenschaften, hören aufmerksam zu, beraten, diskutieren, ordnen, schlichten, helfen. Stunden werden vor- und nachbereitet, wir beantworten zwischendurch Fragen, trösten, fiebern mit bei Schicksalsschlägen, verschieben Stunden, schreiben Trainingspläne und Rechnungen. Wir filmen, fotografieren, dokumentieren. Hundetrainerwochen haben weit mehr als 40 Arbeitsstunden, keinen frühen Feierabend oder freie Wochenenden. Professionelles Hundetraining ist kein Hobby: die Arbeit mit Menschen und Tieren, ganzjährig im Freien, verlangt einem ordentlich was ab, körperlich und emotional. Vieles, was wir erleben, beschäftigt uns über die Arbeitszeit hinaus.

Aus „Das ist aber ganz schön teuer“ bleibt am Ende des Tages für uns der Mindestlohn als Lebensgrundlage. Jetzt dürft ihr euch fragen, wieso wir uns das antun? Weil die Arbeit Freude macht – wenn sie wertgeschätzt wird. Und weil wir den Hundemenschen und Hunden dieser Welt gerne zur Seite stehen.

Foto: hunde.marie

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